07/04 - Alte Forchbahnzüge für Madagaskar

Zürich
12.07.2004 Tages Anzeiger
Alte Forchbahnzüge für Madagaskar

Ausgemusterte Züge der Zürcher Forchbahn sollen schon bald das völlig überlastete Verkehrsnetz von Madagaskars Hauptstadt Antananarivo entlasten. Einer der Züge ist heute zum Transport verladen worden.

Am «Züri Fäscht» anfangs Juli waren sie noch in Betrieb, jetzt sind sie unterwegs zum ostafrikanischen Inselstaat. Bis Ende August sollen zwei Forchbahnzüge aus den 60er Jahren mit je einem Trieb- und einem normalen Wagen in Madagaskars Hautpstadt ankommen.
Bis Ende Jahr sollen dann drei weitere Kompositionen folgen, wie es an einer Medienkonferenz des Solidaritätsnetzes der Schweizer Bahnen mit Madagaskar hiess. Er hoffe, dass die ersten Züge ab Ende Jahr verkehrten, sagte Patrick Ramiaramanana, seit Herbst 2003 neuer Stadtpräsident der 1,2 Millionen Einwohner zählenden Stadt.
Dank den Zügen und weiterer finanzieller Unterstützung von Schweizer Unternehmen hofft Ramiaramanana vor allem auf eine Entlastung der vom Individualverkehr völlig überlasteten Stadt mit seiner maroden Verkehrs-Infrastruktur.
Das zu einem grossen Teil nicht mehr betriebene Schienennetz der Stadtbahn kann laut ETH-Professor Heinrich Brändli nur in sehr kleinen Schritten wieder aufgebaut werden. Der emeritierte Bahntechniker hat in den letzten Wochen im Auftrag der Promotoren vor Ort die Machbarkeit überprüft. Wichtig sei, dass wieder ein Anfang gemacht werde, die Forchbahn-Züge seien nur der Anstoss.
Nach optimistischer Prognose könnten bis Ende Jahr rund fünf Kilometer (von über 25) des stark reparaturbedürftigen Schienennetzes wieder in Betrieb genommen werden. Es stammt aus der Kolonialzeit, ist teils seit Jahrzehnten ausser Betrieb, und muss in vielen Abschnitten ersetzt werden.
Die Spurbreite der Forchbahnzüge passt aufs alte Schienenetz, jedoch fehlt die Stromversorgung. Deshalb müssen die Züge durch Dieselaggregate ergänzt werden, welche den Triebwagen den nötigen Strom liefern. Auf ähnliche Art sollen in den nächsten Jahren weitere ausgemusterte Züge und Wagen von Schweizer Bahngesellschaften in Antananarivo zum Einsatz kommen.
Organisiert und finanziert wird das Unternehmen vom Solidaritätsnetz der Schweizer Bahnen mit Madagaskar. Dahinter stehen vor allem 18 Spenderbahnen, aber auch grosse Firmen, die Sponsorbeiträge leisten. Finanzielle Unterstützung kommt auch vom Kanton Waadt und von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) sowie aus dem Ausland.
Das Engagement des Solidaritätsnetzes geht weit über die Stadtbahn hinaus. Es setzt sich seit 1998 dafür ein, dass noch brauchbares Material von Schweizer Bahnen zum Wiederaufbau des veralteten Bahnnetzes auf Madagaskar eingesetzt wird. Bisher seien 250 Tonnen Bahnmaterial nach Madagaskar geschickt worden, hiess es an der Medienorientierung.
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